Niederlassungserlaubnis nach dem Aufenthaltsgesetz

Die Niederlassungserlaubnis ist ein Aufenthaltstitel, der Ausländerinnen und Ausländern den Daueraufenthalt in Deutschland sichert – mit Freiheiten, die denen von deutschen beziehungsweise eingebürgerten Staatsangehörigen nahekommen. Die gesetzliche Grundlage findet sich unter anderem in § 9 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG).
Neben dem Daueraufenthaltsrecht gehen mit der Niederlassungserlaubnis noch weitere Vorteile einher:

  • Entzug des Aufenthaltsrechts ist schwierig: Ihr Aufenthaltsrecht kann Ihnen nur in Ausnahmefällen wieder entzogen werden – etwa, wenn Sie sich eine schwere Straftat zuschulden kommen lassen oder sich länger als sechs Monate im Ausland aufhalten.
  • Vereinfachter Familiennachzug: Für den Aufenthalt von Familienangehörigen gelten vereinfachte Bedingungen, was einen Nachzug erleichtert.
  • Kein Besuch bei der Ausländerbehörde mehr nötig: Besuche bei der Ausländerbehörde zwecks Verlängerung Ihrer Aufenthaltserlaubnis entfallen.
  • Reisefreiheit: Sie können sich frei bewegen und reisen – auch außerhalb von Deutschland. Ein Auslandsaufenthalt darf eine Dauer von sechs Monaten allerdings nicht überschreiten (siehe Punkt 1).
  • Freiheit bei der Berufsausübung: Sie haben freie Jobwahl und sind nicht länger auf eine bestimmte Anstellung angewiesen.
  • Planungssicherheit für die Zukunft: Sie können Zukunftsplanungen anstoßen und verwirklichen, da Ihr Daueraufenthalt in Deutschland in aller Regel gesichert ist.

Hinweis: Unterschied zur Aufenthaltserlaubnis
Bei der Aufenthaltserlaubnis handelt es sich um einen befristeten Aufenthaltstitel. Zudem ist die Aufenthaltserlaubnis zweckgebunden. Das bedeutet, dass sie nur für einen bestimmten Zeitraum gültig ist und entzogen werden kann, wenn bestimmte Voraussetzungen nicht länger erfüllt sind.

Möchten Sie direkt prüfen, ob Sie alle Voraussetzungen erfüllen, um eine Niederlassungserlaubnis zu erlangen, nutzen Sie unseren Prüfer und machen Sie den Selbst-Check. Alternativ stehen Ihnen unsere Anwältinnen und Anwälte für ein Beratungsgespräch zur Verfügung. Nehmen Sie Kontakt auf!

Zum Selbst-Check

Möchten Sie sich vorerst informieren, finden Sie auf dieser Seite alle wichtigen Informationen im Allgemeinen sowie Sonderbestimmungen für unterschiedliche Personengruppen.

§ 9 AufenthG: Niederlassungserlaubnis und ihre Voraussetzungen

Wie bereits angedeutet, müssen Sie eine Reihe an Voraussetzungen erfüllen, möchten Sie sich mit der Niederlassungserlaubnis den Daueraufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland sichern. Und die können ganz unterschiedlich ausfallen. Entscheidend sind hier neben einer geforderten Mindestaufenthaltsdauer beispielsweise auch persönliche Merkmale wie Ihr Berufsstand. Wir klären Sie über alle Bedingungen auf.

Zu den allgemeinen Voraussetzungen für eine Niederlassungserlaubnis zählen:

  • eine Aufenthaltserlaubnis seit mindestens fünf Jahren
  • gesicherte Altersvorsorge (Beitragszahlungen in die Rentenversicherung) und Krankenversicherung
  • gesicherter Lebensunterhalt
  • nachweislich ausreichende Deutschkenntnisse und der Abschluss eines Integrationskurses

Hinweis: Nachweis von Kenntnissen
In einem Integrationskurs können Sie die geforderten Kenntnisse erwerben und diese schließlich mit einem erfolgreichen Abschlusstest bestätigen. Eine entsprechende Bescheinigung wird Ihnen nach Beendigung als Nachweis ausgestellt.

  • Kenntnisse über die Rechts- und Gesellschaftsordnung sowie über die Lebensverhältnisse in Deutschland
  • gesicherter Wohnraum – gegebenenfalls mit Wohnraumnachweis
  • eine gültige Arbeitserlaubnis – wobei diese Bedingung auch durch Ihren Ehegatten erfüllt werden kann
  • Straffreiheit

Für bestimmte Personengruppen gelten abweichende Voraussetzungen. Keine Unterschiede macht der Gesetzgeber jedoch in der Regel bei folgenden Bedingungen:

  • dem gesicherten Lebensunterhalt und Wohnraum
  • den Kenntnissen der Rechts- und Gesellschaftsordnung
  • dem Vorhandensein einer gültigen Arbeitserlaubnis
  • der Straffreiheit

Wichtig: Asylberechtigte, Schutzberechtigte, Resettlement-Flüchtlinge
Bei Asylberechtigten, Schutzberechtigten und Resettlement-Flüchtlingen macht der Gesetzgeber bei der Sicherung des Lebensunterhaltes Abstriche. Mitunter genügt hier eine “überwiegende Sicherung” des Lebensunterhalts, was der Gesetzgeber mit 76 % beziehungsweise 51 % beziffert.

Diese Voraussetzungen muss also jede Antragstellerin und jeder Antragsteller erfüllen. In anderen Bereichen kommt es bei den folgenden Personengruppen zu unterschiedlichen Regelungen:

Personengruppen mit Sonderbestimmungen bei der Niederlassungserlaubnis

Niederlassungserlaubnis für Fachkräfte

Haben Sie eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen akademischen Abschluss, mit dem Sie einer qualifizierten Beschäftigung nachgehen können, gelten Sie als Fachkraft. Das gilt auch, wenn Sie als internationale Forscherin beziehungsweise Forscher in einer Forschungseinrichtung unter bestimmten Bedingungen nach der EU-Richtlinie 2016/801 angestellt sind.

Hinweis: Qualifizierte Beschäftigung
Eine qualifizierte Beschäftigung setzt voraus, dass Sie Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen, die Sie im Rahmen einer Ausbildung – durch eine Berufsausbildung oder ein Studium – erworben haben.

Neben der geforderten Qualifizierung müssen Sie als Fachkraft in der Regel:

  1. seit mindestens vier Jahren eine Aufenthaltserlaubnis besitzen
  2. mindestens 48 Monate in die Rentenversicherung eingezahlt haben – ob Pflichtbeiträge oder freiwillige Beiträge
  3. einen Arbeitsvertrag entsprechend Ihrer Qualifikation vorweisen können
  4. über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen – mindestens auf dem Niveau B1

Können Sie alle genannten sowie die allgemeingültigen Voraussetzungen für sich bestätigen, wenden Sie sich zwecks Antrag an die zuständige Ausländerbehörde. Alternativ übernehmen unsere Anwältinnen und Anwälte die Beantragung Ihrer Niederlassungserlaubnis und sorgen für einen reibungslosen und schnellen Ablauf.

Sonderbestimmungen für hochqualifizierte Fachkräfte

Bei besonderen Qualifikationen können Sie unter Umständen direkt nach Einreise in Deutschland eine Niederlassungserlaubnis beantragen. Als hochqualifizierte Fachkraft gelten Sie laut § 18c Abs. 3 AufenthG, wenn Sie beispielsweise besondere Fachkenntnisse aufgrund mehrjähriger Berufserfahrung vorweisen oder eine Lehrperson in herausgehobener Funktion sind.

Unerlässlich sind dabei:

  1. eine akademische Ausbildung
  2. die berechtigte Annahme, dass Sie sich in Deutschland problemlos integrieren und sich den Lebensverhältnissen anpassen
  3. die Sicherstellung, dass Sie künftig eigenständig für Ihren Lebensunterhalt aufkommen können

Niederlassungserlaubnis bei Blauer Karte EU

Besitzen Sie eine Blaue Karte EU, gelten für Sie ebenfalls erleichterte Voraussetzungen für die Beantragung einer Niederlassungserlaubnis. Neben den Grundvoraussetzungen – gesicherter Lebensunterhalt und Wohnraum sowie Grundkenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung – müssen Sie zudem nachweisen, dass Sie:

  • seit mindestens 33 Monaten aufgrund einer qualifizierten Beschäftigung in die Rentenversicherung eingezahlt haben
  • über Deutschkenntnisse auf dem Niveau A1 verfügen

Hinweis: Sprachniveau B1
Bewegen sich Ihre Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1, verkürzt sich die Dauer bei den geforderten Rentenbeitragszahlungen von 33 auf 21 Monate.

Voraussetzungen für Absolventen von Studium oder Ausbildung

Haben Sie in Deutschland erfolgreich ein Studium oder eine Ausbildung abgeschlossen, gelten auch für Sie vereinfachte Bestimmungen bezüglich des Anspruchs auf eine Niederlassungserlaubnis. Unter folgenden Bedingungen: 

  • Sie besitzen als Fachkraft seit mindestens zwei Jahren eine Aufenthaltserlaubnis und gehen einer qualifizierten Beschäftigung nach
  • Seit mindestens zwei Jahren zahlen Sie in die gesetzliche Rentenversicherung ein
  • Ihre Sprachkenntnisse bewegen sich auf dem Niveau B1
  • Sie haben einen Integrationskurs mit Erfolg abgeschlossen

Ehegatten einer Deutschen oder eines Deutschen

Sind Sie mit einer deutschen Staatsbürgerin beziehungsweise mit einem deutschen Staatsbürger verheiratet und besitzen bereits seit drei Jahren eine Aufenthaltserlaubnis, können Sie eine Niederlassungserlaubnis beantragen. Wichtig dabei ist aber auch, dass Sie ausreichende Deutschkenntnisse vorweisen können und das Eheverhältnis fortbesteht.

Kinder ausländischer Personen

Kinder von ausländischen Personen haben Anspruch auf eine Niederlassungserlaubnis, wenn sie an ihrem 16. Geburtstag seit mindestens fünf Jahren in Besitz einer Aufenthaltserlaubnis sind.

Bei Volljährigkeit müssen neben einer fünfjährigen Aufenthaltserlaubnis zudem ausreichende Sprachkenntnisse nachgewiesen werden, soll eine Niederlassungserlaubnis beantragt werden. Außerdem wichtig ist: Sofern keine Ausbildung mit einem anerkannten Abschluss absolviert wird, muss der Lebensunterhalt nachweislich gesichert sein.

Niederlassungserlaubnis für Selbständige

Gehen Sie einer selbstständigen Tätigkeit nach und haben eine entsprechende Aufenthaltserlaubnis, haben Sie unter Umständen bereits nach drei Jahren Anspruch auf eine Niederlassungserlaubnis. Dazu müssen Sie folgende Bedingungen erfüllen:

  1. Ihr Aufenthaltstitel berechtigt Sie zur Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit
  2. Sie erzielen mit Ihrer Selbstständigkeit Erfolge

Daueraufenthaltsrecht für Asylberechtigte, Schutzberechtigte und Flüchtlinge

Halten Sie sich als Asylberechtigte beziehungsweise Asylberechtigter, anerkannter Flüchtling oder Resettlement-Flüchtling – Sie müssen also aufgrund bestimmter Umstände dauerhaft umgesiedelt werden – in Deutschland auf, gelten folgende Voraussetzungen für ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Form einer Niederlassungserlaubnis:

  1. Sie besitzen seit fünf Jahren eine Aufenthaltserlaubnis

    Hinweis: Asylverfahren
    Asylverfahren werden bei der Berechnung der Aufenthaltsdauer mit berücksichtigt. Es gilt also der Zeitpunkt, ab dem Sie Ihren Asylantrag gestellt haben, nicht der Zeitpunkt der Bewilligung.

  2. Ihr Lebensunterhalt ist weitestgehend gesichert
  3. Ihre Sprachkenntnisse sind hinreichend und entsprechen in etwa dem Niveau A2 – bei Niveau C1 kann eine Niederlassungserlaubnis bereits nach drei Jahren erteilt werden
  4. Sie haben erfolgreich einen Integrationskurs absolviert
  5. Sie verfügen über ausreichenden Wohnraum
  6. Sie haben eine Arbeitserlaubnis – diese Voraussetzung kann jedoch auch durch einen Ehegatten erfüllt werden

Niederlassungserlaubnis beantragen: Der richtige Zeitpunkt

Wann für Sie der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um einen Antrag auf Niederlassungserlaubnis zu stellen, ergibt sich in der Regel aus den Voraussetzungen: Erfüllen Sie alle Bedingungen, steht Ihrem Daueraufenthalt nichts im Wege. Wir wissen aber auch, dass die unterschiedlichen Bedingungen bei einzelnen Personengruppen Verwirrung stiften können. Es ist mitunter schwierig, selbst abzuschätzen, ob oder wann alle Voraussetzungen erfüllt sind.

Die folgende Tabelle stellt noch einmal die unterschiedlichen Voraussetzungen vereinfacht dar:

Anspruchs­grundlageArtAufenthalts­­zeitenLebensunterhalt gesichertRenten­versicherungs­­beiträgeSprach­­zertifikat
§9 AufenthGNormal5 Jahre100%60 MonateB1
§18c Abs. 1 S.1§ 18c Niederlassungserlaubnis für Fachkräfte4 Jahre100%48 MonateB1
§18c Abs. 1 S.2§ 18c Niederlassungserlaubnis für Fachkräfte - inländische Berufsausbildung2 Jahre100%24 MonateB1
§18c Abs. 2 S.1§ 18c Niederlassungserlaubnis für Fachkräfte + Inhaber blauen Karte33 Monate100%33 MonateA2
§18c Abs. 2 S.321 Monate100%21 MonateB1
§ 21Selbstständige Tätigkeit
Nur beim Zwecke der Anreise. Nicht Titelwechsel
3 Jahre100%0 MonateA1
§26 Abs. 3 S. 1Aufenthalt aus humanitären Gründen5 Jahre51%0 MonateA2
§26 Abs. 3 S. 3Aufenthalt aus humanitären Gründen3 Jahre75%0 MonateC1
§26 Abs. 4Aufenthalt aus humanitären Gründen5 Jahre100%
Überwiegend gesichert: 75 %
60 MonateB1
§28 Abs. 2Familiennachzug zu Deutschen3 Jahre100%0 MonateB1
§35 Abs. 1 S. 1§ 35 Eigenständiges, unbefristetes Aufenthaltsrecht der Kinder
Wenn bei Vollendung des 16. Lebensjahres 5 Jahre im Besitz der Aufenthaltserlaubnis
5 Jahre0%0 MonateB1
§35 Abs. 1 S. 2§ 35 Eigenständiges, unbefristetes Aufenthaltsrecht der Kinder5 Jahre100%0 MonateB1

Sind Sie sich unsicher, wie es um Ihren Anspruch steht, nehmen Sie unseren Selbst-Check in Anspruch. Ebenso stehen Ihnen unsere Anwältinnen und Anwälte für ein umfassendes Beratungsgespräch zur Verfügung. Sie erklären Ihnen ganz genau, worauf es beim Antrag ankommt und wie es zu einem zügigen Abschluss durch die Ausländerbehörde kommt. Auf Wunsch übernehmen sie zudem die Beantragung und verhelfen Ihnen so noch schneller zum dauerhaften Aufenthaltsrecht.

Fehlende Voraussetzungen: Antrag abgelehnt

Haben Sie bereits einen Antrag auf Niederlassungserlaubnis gestellt, der aufgrund fehlender Voraussetzungen abgelehnt wurde, empfiehlt es sich, den Bescheid von einer Anwältin beziehungsweise einem Anwalt für Migrationsrecht fachkundig prüfen zu lassen. Nicht immer ist die Ablehnung rechtens. Werden bei der Prüfung des Bescheids Fehler aufgedeckt, kann mittels Widerspruch eine Korrektur eingefordert werden.

Hinweis: Prüfung des Ablehnungsbescheids
Egal, mit welcher Begründung Ihr Antrag auf Niederlassungserlaubnis abgelehnt wurde – lassen Sie den entsprechenden Bescheid fachkundig prüfen. Und zögern Sie nicht: Ein Widerspruch kann nur innerhalb einer Frist von einem Monat eingereicht werden.

Quellen:

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Niederlassungserlaubnis und Aufenthaltserlaubnis?

Der bedeutendste Unterschied zwischen einer Aufenthalts- und einer Niederlassungserlaubnis ist, dass Ihnen letztere einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland sichert. Die Aufenthaltserlaubnis ist ein befristeter Aufenthaltstitel und zudem in der Regel an eine Beschäftigung gekoppelt. 

Kann man mit A2-Kenntnissen unbefristet werden?

Sprachkenntnisse auf dem Niveau A2 genügen, sofern Sie sich als Asylberechtigte beziehungsweise Asylberechtigter oder anerkannter Flüchtling in Deutschland aufhalten. Gleichzeitig müssen Sie aber auch seit mindestens fünf Jahren eine Aufenthaltserlaubnis besitzen. 

Wie bekommt man eine Niederlassungserlaubnis in Deutschland?

Eine Niederlassungserlaubnis müssen Sie beantragen. Einen Anspruch auf den Aufenthaltstitel haben Sie dabei nur, wenn Sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählen im Allgemeinen:

  • fünfjähriger Besitz einer Aufenthaltserlaubnis
  • gesicherter Lebensunterhalt und Wohnraum
  • gesicherte Altersvorsorge und Krankenversicherung
  • Straffreiheit
  • ausreichende Deutschkenntnisse
  • Grundkenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung

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